Grabstein-Geschichten: Berühmte Gräber im Friedhof Sihlfeld, Zürich
Grabstein-Geschichten ist eine interaktive, zweisprachige Karte (Deutsch/Englisch) der bemerkenswertesten Grabstätten auf dem Friedhof Sihlfeld in Zürich. Mit 288'000 m² ist der Friedhof Sihlfeld der grösste Friedhof und die grösste Parkanlage der Stadt Zürich. Er wurde 1877 gegründet und ist als Kulturgut von nationaler Bedeutung klassifiziert.
Berühmte Persönlichkeiten (22 dokumentierte Gräber)
Schriftstellerinnen und Schriftsteller
- Johanna Spyri (1827–1901) — Autorin von «Heidi», dem meistgelesenen Schweizer Buch aller Zeiten. Über 50 Millionen Exemplare in mehr als 50 Sprachen verkauft. Grab FG 81210, Abteilung A.
- Gottfried Keller (1819–1890) — Bedeutendster Schweizer Romanschriftsteller und Dichter. Autor von «Der grüne Heinrich» und «Die Leute von Seldwyla». 15 Jahre Staatsschreiber von Zürich. Sein Porträt war auf der 20-Franken-Note. Grab FG 81022, Abteilung A.
- Hugo Loetscher (1929–2009) — Kosmopolitischster Schweizer Schriftsteller. Autor von «Der Immune». Geboren im Arbeiterviertel Aussersihl. Grab FG 81203, Abteilung A.
- Alfred Polgar (1873–1955) — Brillanter Wiener Feuilletonist und Theaterkritiker. Floh 1938 vor den Nationalsozialisten. Wählte Zürich statt Wien als Exil. Grab FG 83144, Abteilung C.
Politik und Gesellschaft
- August Bebel (1840–1913) — Mitbegründer der SPD und bedeutendster Führer der europäischen Arbeiterbewegung. Seine Beerdigung in Zürich 1913 zog 50'000 Trauernde an. Grab FG 81079, Abteilung A.
- Emilie Lieberherr (1924–2011) — Erste Stadträtin von Zürich (1970). Führte 1969 den Marsch auf Bern für das Frauenstimmrecht an. Pionierin der progressiven Schweizer Drogenpolitik. Grab FG 81204, Abteilung A.
- Gottfried Kinkel (1815–1882) — Deutscher Dichter und Revolutionär. Spektakuläre Flucht aus preussischer Haft durch Carl Schurz. ETH-Professor für Kunstgeschichte. Grab FG 82487, Abteilung B.
Wissenschaft und Technik
- Lorenz Oken (1779–1851) — Gründungsrektor der Universität Zürich (1833). Naturphilosoph, der die Zelltheorie Jahrzehnte vor ihrer formalen Entdeckung skizzierte. Grab FG 82181, Abteilung B.
- Karl Culmann (1821–1881) — ETH-Professor, der die Graphische Statik erfand. Sein Schüler Maurice Koechlin entwarf mit dieser Methode den Eiffelturm. Grab FG 82484, Abteilung B.
Kunst und Architektur
- Rudolf Koller (1828–1905) — Meister der Tiermalerei. Schöpfer der «Gotthardpost» (1873), eines der bekanntesten Schweizer Gemälde. Heute im Kunsthaus Zürich. Grab FG 81023, Abteilung A.
- Richard Kissling (1848–1919) — Bildhauer des Alfred-Escher-Denkmals am Hauptbahnhof und des Wilhelm-Tell-Denkmals in Altdorf. Entwarf auch das Rizal-Monument in Manila. Grab FG 81025, Abteilung A.
- Gustav Gull (1858–1942) — Architekt des Schweizerischen Landesmuseums (1898), des Stadthauses und der ETH-Kuppelerweiterung. Grab FG 81096, Abteilung A.
- Richard Paul Lohse (1902–1988) — Mitbegründer der Konkreten Kunst in Zürich. Weltweit einflussreicher Grafiker. Grab FG 81070, Abteilung A.
- Richard Kisling (1862–1917) — Kunstsammler, der 1912 die Ausstellung des Blauen Reiters nach Zürich brachte. Über 4'000 Werke gesammelt. Grab FG 82481, Abteilung B.
Stadtentwicklung und Ingenieurwesen
- Arnold Bürkli (1833–1894) — Visionärer Stadtingenieur. Schuf die Zürcher Seeuferanlagen und die Quaibrücke (1881–1887). Der Bürkliplatz ist nach ihm benannt. Grab FG 83012, Abteilung C.
Sport
- Jakob «Köbi» Kuhn (1943–2019) — Schweizer Fussball-Legende. 6 Meisterschaften mit dem FC Zürich. Als Nationaltrainer führte er die Schweiz zur EM 2004, WM 2006 und EM 2008. Schweizer des Jahres 2007. Grab FG 82162, Abteilung B.
Industrie und Handel
- Franz Jelmoli (1794–1860) — Gründer des Warenhauses Jelmoli an der Bahnhofstrasse. Führte als Erster Festpreise im Handel ein. Grab FG 83060, Abteilung C.
- Friedrich Steinfels (1808–1872) — Gründer der Seifenfabrik Steinfels (1834). Produkte wie Maga und Niaxa in der ganzen Schweiz bekannt. Das Steinfels-Areal in Zürich-West trägt seinen Namen. Grab FG 82084, Abteilung B.
- Jakob Albert Welti-Furrer (19. Jh.) — Logistikpionier. Verwandelte die Pferdefuhrhalterei Welti-Furrer in ein modernes Transportunternehmen. Existiert noch heute. Grab FG 83235, Abteilung C.
- Familie Beyer (gegr. 1760) — Dynastie hinter Beyer Chronometrie, dem ältesten Uhrengeschäft der Welt. Uhrenmuseum an der Bahnhofstrasse. Grab FG 82250, Abteilung B.
Sozialreform
- Hermann Walter Bion (1830–1909) — Pfarrer, der 1876 die erste Ferienkolonie für Arbeiterkinder organisierte. Idee verbreitete sich in ganz Europa. Grab FG 83093, Abteilung C.
Mahnmale
- Deutsches Kriegsgrab (Erster Weltkrieg) — Gemeinschaftsgrab für 672 deutsche Staatsbürger, die in Zürich während des Ersten Weltkriegs starben. Gepflegt vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Grab FG 81001, Abteilung A.
Über den Friedhof Sihlfeld
Der Friedhof Sihlfeld (Aemtlerstrasse 151, 8003 Zürich, 47.3750°N, 8.5095°E) wurde 1877 gegründet und umfasst 288'000 m². Er beherbergt das erste Krematorium der Schweiz (1889) und ist als Kulturgut von nationaler Bedeutung klassifiziert. Der Friedhof ist frei zugänglich und kostenlos zu besuchen.
Anreise
Tram 3 (Haltestelle Sihlfeld), Bus 32/33, oder S-Bahn bis Wiedikon. Etwa 15 Minuten vom Hauptbahnhof Zürich.
Über dieses Projekt
Grabstein-Geschichten ist ein digitales Kulturprojekt, das die Geschichten hinter den bemerkenswertesten Grabsteinen auf dem Friedhof Sihlfeld zugänglich macht. Die interaktive Karte ist kostenlos in Deutsch und Englisch verfügbar unter grabstein-geschichten.ch.
Gravestone Stories: Notable Graves at Friedhof Sihlfeld, Zurich
Grabstein-Geschichten (Gravestone Stories) is a free, bilingual (German/English) interactive map of the most notable graves at Friedhof Sihlfeld in Zurich, Switzerland. At 288,000 m², Friedhof Sihlfeld is Zurich's largest cemetery and largest park, founded in 1877 and classified as a Swiss cultural property of national significance. The project documents 22 remarkable graves spanning literature, politics, science, art, architecture, sport, industry, and social reform.
Notable burials include Johanna Spyri (author of Heidi, 50+ million copies sold worldwide), Gottfried Keller (Switzerland's greatest novelist), August Bebel (co-founder of the SPD), Emilie Lieberherr (Zurich's first female city councilor), Köbi Kuhn (Swiss football legend), Gustav Gull (architect of the Swiss National Museum), Karl Culmann (inventor of graphical statics, whose method enabled the Eiffel Tower), and Lorenz Oken (founding rector of the University of Zurich).
Visit: grabstein-geschichten.ch | Address: Aemtlerstrasse 151, 8003 Zürich | Free admission | Open daily